1904 stellten beide gemeinsam auf der „Großen Kunstausstellung Dresden“ aus. Am 28. März 1905 heirateten Heinrich Nauen und Marie von Malachowski in Dresden, gegen den Willen ihrer Eltern.
Aus der Hochzeitsreise nach Paris wurde ein mehrmonatiger Aufenthalt mit Studium an der Académie Julian und Begegnungen mit Künstlern. Das junge Paar erlebte die Geburtsstunde des Fauvismus, der Kunst der starken und reinen Farben. Die Eindrücke von Matisse und Gauguin wirkten bei Nauen nach. Auf der Rückreise entdeckte er das Fischerdorf Visé an der Maas, wo er bis 1911 regelmäßig malte.
1906 bezog das Paar eine Wohnung in Berlin. Nauen fand Anschluss an die Berliner Secession, lernte Emil Nolde, Max Liebermann, Max Beckmann und vor allem Walter Kaesbach kennen, der zum Freund, Briefpartner, Sammler und Helfer in finanzieller Not wurde. 1907 war ein Jahr voller Unruhe, mit Geldsorgen und dem Tod des ersten Sohnes Heinrich. Am 3. Oktober 1908 kam Tochter Nora in Berlin zur Welt. Das Großstadtleben belastete Nauen, die Landschaft des Niederrheins zog ihn an.

1911: „Glücklicher Besitzer von Dilborn“
Im Mai 1911 schrieb Nauen an Kaesbach, er wohne nun in der für ihn denkbar schönsten Landschaft, mit Park, Wasser, Wiesen, Feldern, Bruch und Heide und dem einzigartigen Buchenhochwald. Am 1. Juni 1911 bezog die Familie den rechten Flügel des Schlosses. Geräumige, farbig gestaltete Ateliers entstanden, überall lagen Blätter in Stapeln auf Tischen und Stühlen.
Im Herbst malten Nauen und Helmuth Macke den farbenprächtigen Buchenwald. Marie von Malachowski-Nauen knüpfte Verbindungen zu Nachbarn, fand Musikfreunde und veranstaltete bald Schlosskonzerte. 1912 bot Edwin Suermondt Nauen an, den Seitenflügel der Burg Drove bei Düren auszumalen. Der Drove-Zyklus, heute im Kaiser Wilhelm Museum Krefeld, gehörte 1914 zu den 137 Werken der ersten Kollektiv-Ausstellung in der Galerie Alfred Flechtheim.


Krieg und Krise
Im Sommer 1914 kamen Erich und Siddi Heckel für mehrere Wochen, dann beendete der Erste Weltkrieg den glücklichen Lebensabschnitt. Marie von Malachowski-Nauen verlor zu Beginn des Krieges ihre Brüder Wilhelm und Joachim und erkrankte für lange Zeit. Ihre Mutter Hedwig von Hake lebte von 1915 bis 1919 auf Dilborn und unterstützte sie. Heinrich Nauen wurde eingezogen, kurz vorher kam am 25. März 1916 Sohn Joachim zur Welt. Der Krieg hinterließ Spuren, die nach seiner Heimkehr im Oktober 1918 deutlich wurden.
Marie von Malachowski-Nauen versuchte, ihr Selbstwertgefühl über Ausstellungen zurückzugewinnen, in einer Zeit, in der die Arbeit von Frauen als minderwertig galt. Erst ab 1919 durften Frauen an Kunstakademien studieren. Die Kritik las ihre Bilder als Variation der Kunst ihres Mannes. Trotzdem zeigte die Galerie Flechtheim 1919 ihre Werke neben denen von Paula Modersohn-Becker.
„Zwei können alles tragen.“ Mit diesem Vermerk erinnerte Marie von Malachowski 1920 im Gästebuch an den Vers ihres Hochzeitsbildes.
Im November 1920 zog sie mit Sohn Joachim nach Worpswede, kehrte im März 1921 aber zurück, erst nach Brüggen und Millendorf, dann wieder nach Dilborn. Nauens Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie beruhigte ab 1921 die Lebensverhältnisse. Er kam oft nur am Wochenende. Sie schuf von 1922 bis 1924 religiöse, philosophische und allegorische Holzschnitte und arbeitete bis 1931 in der Dilborner Einsamkeit an zahlreichen Kinderporträts.


Abschied von Dilborn
Am 1. Oktober 1931 wurde Heinrich Nauen planmäßiger Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie, das Paar zog nach Neuss. Seine Schüler, darunter Otto Dix, Carl Barth und Trude Brück, verehrten ihn als Künstler und Mensch. 1937 wurden viele Werke beider als „entartete Kunst“ aus den Museen entfernt, Nauen musste in den Ruhestand gehen.
1938 zog das Paar nach Kalkar, wo Heinrich Nauen am 26. November 1940 starb. 1942 lebte Marie von Malachowskis Schaffenskraft ein letztes Mal auf, es entstanden heitere Spätwerke wie „Taubenturm in Kalkar hinter blühenden Apfelbäumen“. Sie starb am 9. Oktober 1943 in Kalkar, wo das Paar gemeinsam ruht. Ihre Werke leben weiter, auch in Brüggen-Dilborn.
Textgrundlage: Forschungsarbeiten von Otto Lehmann.


