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Dilborner Straße 63 · 41379 Brüggen
schlossdilborn@gmail.com
Historische Schwarzweißaufnahme von Schloss Dilborn mit Park und Schlossflügeln

Geschichte · 1363 bis heute

Mehr als ein schönes Wasserschloss

Burgen und befestigte Anlagen sind Wächter der vergangenen Zeit. Sie haben Jahrhunderte überdauert und erzählen von den Menschen, die sie bewohnten.

Schloss Dilborn ist ein altes Schloss mit angrenzendem Wassergraben an der Schwalm. Es gehört zur Gemeinde Brüggen am linken Niederrhein und behauptet sich bis heute als kulturelle Referenz der Region.

Urkundlich erwähnt im Jahr 1363, gehörte die Burg Dilborn dem Herzog Eduard von Geldern, einem Enkel Eduards II. von England und Isabellas von Frankreich. In derselben Zeit wurde sie als Lehen an Herrn Seger von Swalmen vergeben. Zwischen 1583 und 1854 blieb sie in den Händen der verwandten Familien von Elmpt und Geloes. Nach dem Bau des Ostflügels im Jahr 1583 kamen Investitionen und Veränderungen am Gebäude, ungeachtet aller Besitzerwechsel, fast drei Jahrhunderte lang zum Stillstand.

Historische Aufnahme: Auffahrt und Hauptflügel von Schloss Dilborn, rechts der Turm
Die Auffahrt zum Schloss auf einer historischen Aufnahme.

Grafen, Park und eine Kapelle

Auf die Familie von Geloes folgten die Familien von Hoesch und 1784 die Reichsgrafen von Hallberg. Der baufällige Ostflügel musste abgetragen werden. Mit dem Verkauf an Graf Julius von Schaesberg begann 1854 eine Phase der Stabilisierung: Er ließ eine neugotische Kapelle errichten, Garten und Park völlig neu gestalten und südlich der Zufahrt einen neuen Bereich anlegen.

1910 verkaufte Reichsgraf Julius von Schaesberg-Tannheim das Schloss an Graf Karl Theodor Eugen von Westerholt-Gysenberg, um den Wiederaufbau seines Stammsitzes Schloss Krickenbeck zu finanzieren. Danach wurde nicht mehr in den Erhalt investiert. Dilborn wurde teils als landwirtschaftliches Anwesen verpachtet, teils als Wohnraum vermietet.

Die neugotische Kapelle über dem Wassergraben, Luftaufnahme
Die Kapelle von 1867 steht auf Pfählen über dem Wassergraben.

Ein Haus für Künstler

So lebten und arbeiteten von 1911 bis 1931 Marie von Malachowski und Heinrich Nauen auf Dilborn, zwei der wichtigsten Vertreter des rheinischen Expressionismus. Mehr über das Künstlerpaar.

Historische Fotografie des Künstlerpaars Nauen
Das Künstlerpaar Nauen lebte von 1911 bis 1931 im Schloss.

Krieg, Kinderheim, Neubeginn

1940 wurde das Schloss von der nationalsozialistischen Regierung beschlagnahmt. Im April richtete der Reichsarbeitsdienst ein Lager für „weibliche Arbeitskräfte“ ein, das Ende 1944 vermutlich im Zuge der Zwangsevakuierung Brüggens aufgelöst wurde. Genaue Aufzeichnungen gibt es nicht, die letzten Verwaltungsunterlagen stammen aus dem November 1944.

1949 erwarben die Dernbacher Schwestern Schloss und Gelände vom Grafen von Westerholt und bauten es in mehreren Etappen mit großem Aufwand zu einem Kinderheim um. Der Südturm und der südliche Zwischentrakt mussten abgerissen, selbst die Fundamente durch einen Neubau ersetzt werden. Das Schloss erhielt eine neue Bestimmung mit helfendem Charakter.

Historische Aufnahme: das Schloss spiegelt sich im Wassergraben
Das Schloss spiegelt sich im Graben, historische Aufnahme.
Die Begeisterung für Veränderung und der Wunsch, die Originalität des Gebäudes zu bewahren, waren der Ursprung einer neuen Vision.

Ende 2007 wurde Schloss Dilborn an den in Düsseldorf lebenden Schweizer Architekten Auguste Triet verkauft. Mit großem Einfühlungsvermögen gab er dem Denkmal ein neues inneres und äußeres Bild. Er investiert in die Aufwertung von Schloss und Umgebung, richtet Büros und Wohnungen ein und fördert kulturelle Veranstaltungen. Seit 2003 nutzt das Kulturforum Schloss Dilborn unter der Leitung von Hermann Schröder die Räume im Erdgeschoss.

Auch die Natur wurde nicht vergessen: Die jahrhundertealten Bäume verschiedener Arten, manche aus fernen Regionen, wurden geschützt und bewahrt. Dazu kommen Skulpturen nationaler und internationaler Künstler wie Wasa Marjanov, Kina Maua N’pango, Robert Hartmann und Ulrike Zilly. So bleibt Dilborn seiner Geschichte treu.

Quellen: bisherige Website Schloss Dilborn, vgl. Wikipedia-Artikel „Schloss Dilborn“.

Chronik der Hausherren

Sechs Jahrhunderte, zwölf Kapitel

  1. 1363

    Das Lehen

    Die Familie Seger von Swalmen erhält Dilborn als Lehen von Herzog Eduard von Geldern, Enkel König Eduards II. von England.

  2. 1430

    Herren von Goldstein

    Die Herren von Goldstein sind Besitzer von Dilborn.

  3. 1583

    Ein neues Haus

    Gerhard von Elmpt errichtet ein neues Haus mit Ostflügel. Später folgen die Familien von Geloes.

  4. 1600

    Herren von Elmpt

    Bis 1854 bleibt Dilborn in den Händen der verwandten Familien von Elmpt und Geloes.

  5. 1783

    Reichsfreiherr von Hoesch

    Matthias Gerhard von Hoesch, Herr zu Suttrop in Westfalen, wird Eigentümer.

  6. 1784

    Reichsgrafen von Hallberg

    Die Reichsgrafen von Hallberg erwerben das Schloss, der baufällige Ostflügel wird abgetragen.

  7. 1822

    Bürgerliche Besitzer

    Josefine Klein, später Ehefrau von Wilhelm Lenders, und Bankier Carl Horstmann aus Hannover.

  8. 1854

    Graf von Schaesberg

    Reichsgraf Julius von Schaesberg-Thannheim lässt Park und Garten neu gestalten, 1867 folgt die Kapelle.

  9. 1910

    Gräflich Westerholt

    Verkauf an Graf Karl Theodor Eugen von Westerholt-Gysenberg. 1911 ziehen die Nauens ein.

  10. 1921

    Familie von Westerholt

    Max von Westerholt und seine Familie ziehen ins Schloss.

  11. 1949

    Dernbacher Schwestern

    Die Armen Dienstmägde Jesu Christi bauen Dilborn in mehreren Etappen zum Kinderheim um.

  12. 2007

    Auguste Triet

    Der Schweizer Architekt erwirbt das Schloss und gibt dem Denkmal ein neues Gesicht.

1867 · Die Hauskapelle

Eine Kapelle, auf Pfählen über dem Wasser

Die neugotische Kapelle mit Spitzbogenfenster über dem Wassergraben
Historischer Bauplan der Kapelle von Vinzenz Statz, westlicher Vorbau

Bauplan von Vinzenz Statz

Farbiges Kapellenfenster: Maria mit Kind, links der heilige Heinrich, rechts die heilige Thekla

Das Westfenster

1867 ließ Julius von Schaesberg nach Plänen von Vinzenz Statz eine Hauskapelle im neugotischen Stil errichten, auf Pfählen über dem Wassergraben, mit Wasserdurchlauf unter dem Bau.

Durch päpstliches Indult durften der Reichsgraf und seine Kinder ab 1868 auf Lebenszeit an allen Sonn- und Feiertagen, mit Ausnahme des Ostersonntags, in der Kapelle die heilige Messe hören.

Der Blick fiel dabei auf Altar und Westfenster. Die farbintensive Glasmalerei ist in drei Segmente gegliedert: Maria mit Kind, links der heilige Heinrich, rechts die heilige Thekla, darüber die Wappen der Familien Schaesberg und Waldburg-Zeil.

Damals und heute

Derselbe Graben, ein anderes Jahrhundert

Historische Aufnahme: Enten auf dem Weiher vor dem Schlosspark
Der Weiher auf einer historischen Aufnahme
Kapelle und Schlossflügel am Wassergraben, heute
Kapelle und Wassergraben heute